Der Vorteil von Vielfalt

11.11.2020

Viele Nationen, viele Kulturen: Hannover ist eine internationale Stadt. Mit der Jugendreferentin Hien Vu und mit Marilu Salvaggio im Freiwilligen Sozialen Jahr bildet das Tabor diese Vielfalt jetzt auch bei den Mitarbeitenden ab.

Eine gute Nachricht vorab: Das Tabor, das jugendpastorale Zentrum der katholischen Kirche in Hannover, bleibt trotz neuer Corona-Verordnung des Landes Niedersachsen offen. Die Befürchtung, dass es als Freizeiteinrichtung wieder für die Zeit der verschärften Maßnahmen schließen muss, hat sich nicht bewahrheitet. „Uns ist wichtig, dass wir unser Angebot an Hausaufgabenhilfe aufrechterhalten können“, sagt Tabor-Leiterin Schwester Birgit Stollhoff.

Erleichterung bei auch bei Hien Vu und Marilu Salvaggio. Beide haben erst vor kurzen ihre Tätigkeit im Tabor aufgenommen. Hien Vu, 24 Jahre alt und Sozialarbeiterin, als Jugendreferentin, Marilu Salvaggio, 16 Jahre alt und mit einem noch frischen Realschulabschluss, im Freiwilligen Sozialen Dienst (FSJ). Ein jetzt wieder geschlossenes Tabor wäre für sie schlicht „ziemlich blöd“, sagen beide.

„Nur eine Muttersprache wäre doch langweilig“

Für Sr. Birgit ist es ein Segen, zwei engagierte Kräfte zu haben, die „einen anderen Blick auf die Kids haben, die zu uns kommen.“ Anders heißt in diesem Fall: Durch ihre eigene Geschichte die Vielfältigkeit der Kinder und Jugend widerspiegeln zu können: „Hannover ist eine internationale Stadt mit diversen Kulturen und Religionen.“ Das zeige sich auch im Tabor. „Nur eine Muttersprache wäre doch langweilig“, meint Sr. Birgit. Blickt sie auf Herkunftsländer und Kulturen, dann „bilden sich bei unseren Kids fast alle Kontinente ab.“

Vielfältigkeit aufgreifen – das hat sich Hien Vu als Ziel gesetzt: „Es ist echt cool, was die Kinder und Jugendlichen mitbringen, aus welchen unterschiedlichen Lebenslagen sie kommen.“ Geboren in Wildeshausen ist sie in einer freikirchlich-vietnamesischen Gemeinde groß geworden, hat dort später Jugendstunden angeboten und Freizeiten organisiert: „Das ist wie Familie.“

Nach dem Studium in Hildesheim hat sie ihr Anerkennungspraktikum beim Diakonischen Werk in der Sozialberatung gemacht. Über eine Studienkollegin wurde sie auf das Tabor-Angebot aufmerksam. Wobei: „Meine Studienkollegin und Freundin ist selbst muslimisch und engagiert sich bei der Caritas.“ Soviel zur Selbstverständlichkeit von Vielfalt.

Ganz wichtig ist vor allem eines: Zuhören

In ihrem ersten Monat im Tabor hat Hien Vu vor allem zugehört: „Was wünschen sich die Kinder und Jugendlichen, worauf haben sie Lust, was möchten sie angehen.“ Hilfreich war, dass sie bereits bei der Herbstferienwoche im Tabor dabei sein konnte: „Da haben wir schon paar gute Aktionen machen können.“

Auch für Marilu Salvaggio, war die Herbstferienwoche ein guter Einstieg: „Klar, auch anstrengend, aber das hat doch viel Spaß gemacht.“ Nach ihrem Abschluss an der katholischen Ludwig-Windthorst-Schule stand für die 16-Jährige eine Frage im Raum: „Ausbildung oder doch was anderes?“ Sie entschied sich für etwas anderes, für ein Freiwilliges Soziales Jahr. Das Tabor kannte sie schon: „Bei meinem Firmkurs in der italie­nischen Mission haben wir einen Tagesausflug hierher gemacht.“

Zurzeit sind zuhören und reden, natürlich hinter eine Maske, ihre Hauptaufgaben: „Ich bin ja nicht viel älter als die meisten, die hier ins Tabor kommen.“ Vielleicht wird Marilu Salvaggio da ein bisschen zur großen Schwester. Es gibt so viele Fragen zur aktuellen Situation. Auch wenn sie nicht unbedingt eine Antwort hat, weiß Marilu Salvaggio doch, wie wichtig ein offener Ort ist, an dem einfach das ausgesprochen werden kann, was die Kinder und Jugendlichen bewegt.

Ihre erste Idee für ein Projekt kann sie aber noch nicht umsetzen: „Eine Tanzgruppe geht gerade nicht.“ Aber es gibt ein anderes Vorhaben, das angegangen wird, ergänzt Hien Vu: „Wenn wir im Tabor schon so international sind, können wir genau diese Vielfältigkeit zum Thema machen.“ Aber auch hier hängt es davon ab, was angesichts von Infektionsschutz und Hygienemaßnahmen möglich ist. „Da wird uns schon, was einfallen“, ist sich Hien Vu sicher.

Zur Sache: Aktuell mögliche Angebote im Tabor

Das Tabor ist in Sichtweite des Neuen Rathauses in Hannover zu finden – in der Hildesheimer Straße 32 (30159 Hannover). Das Café Tabor ist von montags bis donnerstags in der Zeit von 14 bis 18 Uhr geöffnet. Das Hausaufgabenprojekt lern.bar wird von montags bis donnerstags in der Zeit von 15 bis 17 Uhr angeboten und ist kostenlos.

Weitere Angebote laufen derzeit nur eingeschränkt – bitte im Tabor anfragen. Jugendliche können einfach so vorbeikommen, eine Anmeldepflicht besteht für die Lern.bar. Weitere Infos unter www.jupa-hannover.de oder E-Mail: tabor@jupa-hannover.de

Text und Bild: Rüdiger Wala
Dieser Text erschien zuerst unter https://www.kath-kirche-hannover.de/aktuelles/nachrichten/artikel/news-t...

 

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