Spaß-Olympiade - Sommerferienwoche 2019

Mit Pfeil und Pilates
Olympia à la Tabor: Ferienwoche im jugendpastoralen Zentrum in Hannover – ziemlich schräge Ideen und ein besonderer Geist.

Bogenschießen, Tennis und sportlich-faires Boxen: Alles wird ausprobiert bei der Ferienwoche im Tabor. Und zu neuen Sportarten zusammengesetzt | Foto: Wala

Bogenschießen, Tennis und sportlich-faires Boxen: Alles wird ausprobiert bei der Ferienwoche im Tabor. Und zu neuen Sportarten zusammengesetzt | Foto: Wala

Darauf muss man erst einmal kommen: Biathlon im Sommer. Ohne Schnee, ohne Loipe. Dafür mit Pilates und Bogenschießen. Gar nicht so einfach, nach kraftzehrenden gymnastischen Übungen eine ruhige Hand für die Zielscheine zu haben. Ausgedacht haben sich diese muntere Kombination Teilnehmende der Ferienwoche im Tabor, dem jugendpastoralen Zentrum in Hannover. Der Leitgedanke: Olympia à la Tabor.

Mädchen und Jungen zwischen der 5. und 10. Klasse waren eingeladen, sich Sportarten auszudenken, die nicht auf dem Zettel des Internationalen Olympischen Komitees stehen: Fußballtennis ist so ein Beispiel, ein „lebendiger“ Tisch-Kicker ein anderes. Oder Basketbälle in Körbe versenken – allerdings mit einer Augenklappe. Das nimmt das räumliche Sehen und macht das Spiel ungleich schwerer. Trotzdem: der Eifer der Mädchen und Jungen, allesamt zwischen 10 und 15 Jahre alt, ist nicht zu bremsen.

Bartek und Mateusz Kwoka freut das Gewusel im Hof des Tabors. Die beiden Brüder, 25 und 23 Jahre alt, gehören zu den ehrenamtlichen Betreuern. Beide sind schon lange dabei: Bartek, der Erdkunde und Musik auf Lehramt studiert, bereits seit sechs, Mateusz seit fünf Jahren. „Ich bin einfach mal mitgekommen, weil Freunde sich hier engagiert haben“, erinnert sich Bartek. Dabei sei der Funke übergesprungen: „Das war gleich ziemlich cool und hat viel Spaß gemacht – jedes Jahr wieder.“

Die Gräben zwischen Parallelklassen kitten

Eines ist für Bartek ganz wichtig: Möglichst schnell soll aus den Kindern und Jugendlichen eine Gruppe werden. Das ist manchmal nicht so einfach. „Die Kinder sind unterschiedlich alt, kommen aus verschiedenen Stadtteilen oder aus der Region“, betont Bartek. Manche kennen sich – von der Straße aus der Schule. Was die Gruppenbildung aber nicht unbedingt leichter macht. Denn zwischen Parallelklassen öffnen sich mitunter wahre Gräben …

Doch die Möglichkeiten im Tabor gleichen vieles aus: „Es herrscht hier so eine ungezwungene und offene Atmosphäre“, beschreibt es Mateusz. Das wirke gut gegen Cliquenbildung. Er hat diesen besonderen Geist des Tabors schon als Schüler kennengelernt. Erst hat er selbst Hilfe bei Hausaufgaben erhalten, dann selbst Nachhilfe gegeben. In Mathe. Sehr begehrt, sagt der heutige Informatikstudent. Insofern möchte er mit seinem Engagement im Tabor „einfach auch etwas zurückgeben“.

„Hier treffen sich Kinder und Jugendliche aus ganz unterschiedlichen Milieus“, sagt auch Schwester Birgit Stollhoff, die Leiterin des Tabors. Vor allem kommen sie „wie sie sind, brauchen und nutzen den Freiraum, den wir ihnen zu geben versuchen“. Das hat Dynamik: „Ich bin immer noch erstaunt, wie engagiert sich die Kinder und Jugendlichen umeinander kümmern.“

Unterstützung durch das Programm „Generationhoch3“

Erstmals wurde die Ferienfreizeit durch das Programm „Generationhoch3“ unterstützt. Das Programm des Landesjugend­rings Niedersachsen fördert Projekte, die von jungen Menschen für junge Menschen gestaltet werden: „Also ganz unsere Kragenweite“, meint Schwester Birgit. So konnten zum Beispiel  Sportgeräte angeschafft werden – wie die Pfeile und Bogen, die beim Tabor-Biathlon zum Einsatz kommen. Auch Kisten mit frischem Gemüse bereichern den Speiseplan für das Mittagessen.

So wichtig das ehrenamtliche Engagement von älteren Jugendlichen auch ist: Schwester Birgit setzt auf hauptamtliche Verstärkung. Das Warten hat ein Ende: „Im Herbst ist es soweit.“ Übrigens: Dann steht die Herbstferienwoche im Tabor an. Wieder mit schrägen Ideen und dem besonderen Geist.

Angebote im Tabor

Das Tabor ist in Sichtweite des Neuen Rathauses in Hannover zu finden – in der Hildesheimer Straße 32 (30159 Hannover).

Nach den Sommerferien ist das Café Tabor wieder von montags bis donnerstags in der Zeit von 14 bis 18 Uhr geöffnet. Freitags nur, wenn Veranstaltungen laufen.
Das Hausaufgabenprojekt lern.bar wird von montags bis donnerstags in der Zeit von 15 bis 17 Uhr angeboten und ist kostenlos.

Jeweils dienstags gibt es „offen.bar“ (16.30 bis 17.30 Uhr) – ein Angebot in Sachen Kreativität und Basteln. Dazu: Konzerte und Spieleabende.

Infos unter www.jupa-hannover.de oder E-Mail: tabor(at)jupa-hannover.de

Von: Rüdiger Wala



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